Eine Pionierin der psychiatrischen Pflege

Trauer um Gudrun Krauss

Gudrun Krauss war nicht nur „Herz und Seele“ der Ambulanten Psychiatrischen Pflege des VSP in Esslingen. Darüber hinaus hat sie Pionierarbeit geleistet: Sie etablierte in Esslingen die ambulante Pflege für Menschen mit Psychiatrieerfahrung – zu einer Zeit, in der es auch bundesweit kaum Pflegedienste mit solch einer Spezialisierung gab. Während eines Hausbesuchs im Dienst verstarb Gudrun Krauss am Freitag im Alter von 64 Jahren plötzlich.
Seit Oktober 2001 war Gudrun Krauss beim VSP. Zuvor hatte sie als Krankenschwester im Ambulant Betreuten Wohnen des sozialpsychiatrischen Wohnverbunds der Stadt Esslingen gearbeitet. Geprägt durch diese Erfahrungen in der Betreuung von Menschen mit chronischen psychischen Erkrankungen baute sie beim VSP die Ambulante Psychiatrische Pflege Esslingen auf. Diese bietet Menschen daheim eine Unterstützung, die sonst häufig Klinikaufenthalte erleben.
Anfangs suchte Gudrun Krauss mit einem Rucksack voll Pflegematerial die noch wenigen Klientinnen und Klienten auf. Nach und nach wuchs deren Zahl und mit ihnen das Team, das Gudrun Krauss leitete. Stets engagierte sie sich dabei für eine auskömmliche Finanzierung des Dienstes und gegen die Stigmatisierung von psychisch kranken Menschen. Ebenso wichtig war ihr, dass alle Teammitglieder sich wohl und gesehen fühlten. Nie stellte sie eigene Bedürfnisse in den Vordergrund.
Ein großes Anliegen war Gudrun Krauss die Vernetzung im Gemeindepsychiatrischen Verbund Esslingen. Mit Leidenschaft kämpfte sie dafür, dass für schwer psychisch kranke Menschen kooperative Einzelfall-Lösungen zur optimalen Betreuung gefunden wurden. Von 2010 bis 2021 leitete Gudrun Krauss den Bereich Pflege im VSP und setzte sich dafür ein, Pflegeangeboten denselben Stellenwert wie der Eingliederungshilfe beizumessen. So war es auch ihrem Einsatz zu verdanken, dass im Jahr 2010 eine Vereinbarung zur häuslichen psychiatrischen Fachkrankenpflege mit den Krankenkassen abgeschlossen werden konnte. Ihr Engagement für die psychiatriefachliche Profilierung kam in ihrer Mitarbeit im Fachverband „Bundesinitiative Ambulante Psychiatrische Pflege“ zum Ausdruck.
Im vergangenen Oktober hatte sie die Leitungsfunktion des nunmehr mit den Standorten Tübingen und Zwiefalten zusammengeschlossenen Dienstes an die neue Pflegedienstleiterin Birgit Hohlweck und deren Stellvertretung vor Ort, Bettina Fehrenbach, abgegeben. Gudrun Krauss hatte vor, noch einmal in die Basisarbeit der Pflege zurückzukehren, bevor sie im März 2023 die Rente angetreten hätte. Das war ihr nicht mehr vergönnt.
Völlig unerwartet haben die Kolleginnen und Kollegen im VSP und des Gemeindepsychiatrischen Verbunds Esslingen eine hochgeschätzte Kollegin verloren. Sie alle haben Gudrun Krauss viel zu verdanken und vermissen sie sehr. Ihre Verdienste für den Aufbau sozialpsychiatrischer Strukturen in der Stadt und im Landkreis Esslingen bleiben bestehen.
Gudrun Krauss hinterlässt zwei erwachsene Kinder und einen Enkelsohn. Ihnen gilt das Mitgefühl und die Anteilnahme des VSP.

Eine vom VSP gestaltete Trauerfeier findet am Freitag, 25. Februar, um 15 Uhr in der Tagesstätte ZAK (Zentrum für Arbeit und Kommunikation) in der Franziskanergasse 7 statt.

Die Urnenbeisetzung ist am Montag, 7. März, 14.45 Uhr, auf dem Ebershaldenfriedhof in Esslingen.

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